
Transkulturelle Klangreise am Feudenheim-Gymnasium
Ein mitreißendes musikalisches Erlebnis der besonderen Art durften am vergangenen Freitag die sechsten Klassen des Feudenheim-Gymnasiums Mannheim erleben: Das transkulturelle Ensemble Colourage aus Ludwigshafen entführte 120 Schülerinnen und Schüler auf eine faszinierende Reise durch unterschiedliche Musikwelten. In einem eineinhalbstündigen Konzertprogramm verschmolzen europäische und arabische Melodien zu einem einzigartigen Klangerlebnis, das von der ersten Sekunde an begeisterte.Bereits das Eröffnungsstück fesselte das junge Publikum. Mit gespitzten Ohren verfolgten die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer die ungewöhnliche Besetzung aus Oud (Hesham Hamra), Bratsche (Guillem Selfa Oliver), Flöte (Hanna Mangold), Trompete (Jochen Keller), Kontrabass (Jonathan Sell), Schlagwerk (Simon Bernstein), Kanun (Laila Mahmoud) und Percussion (Youssef Laktina). Moderiert wurde das Konzert charmant und mit viel Witz von Trompeter Jochen Keller und Flötistin Hanna Mangold, die nicht nur die Stücke vorstellten, sondern auch die Instrumente und ihre Spielweisen humorvoll erläuterten.
Ein musikalisches Highlight war das Stück „Jasmin“, eine Komposition von Oud-Spieler Hesham Hamra, inspiriert vom betörenden Duft der gleichnamigen Pflanze, die in seiner Heimat oft an Hauswänden wächst. Jochen Keller forderte die Kinder auf, während des Stücks die Augen zu schließen und sich zu fragen, ob sie den Duft von Jasmin förmlich riechen könnten. Die neugierigen Sechstklässlerinnen und Sechstklässler ließen sich darauf ein und tauchten tief in die Klangwelt ein.
Wie kreativ und offen das Ensemble arbeitet, zeigte sich spätestens bei der nächsten Darbietung – einer Uraufführung eines bisher noch namenlosen Stücks. Das Besondere: Die Schülerinnen und Schüler wurden nach dem Stück aufgefordert, selbst Titelvorschläge vorzunehmen. Es sprudelte nur so an kreativen Ideen: „Mission Freiheit in Ägypten“, „Pharaonentanz“, „Der Schrei der Wüste“ und „Der goldene Stern über der Wüste“ sind nur einige der fantasievollen Vorschläge. Ob das Ensemble sich für einen davon entscheidet, bleibt spannend.
Für Staunen sorgte auch Kanun-Spielerin Laila Mahmoud, die ihr filigranes Kanun, welches zur Familie der Zither-Instrumente zählt – virtuos vorstellte. Sie erklärte, dass das Wort „Kanun“ im Arabischen „Gesetz“ bedeutet und das Instrument früher zur Heilung von Menschen eingesetzt wurde. Eine berührende Erklärung, die den Gedanken unterstreicht, dass Musik heilsam sein kann. Auch Vibraphonist Simon Bernstein beeindruckte mit seinem modernen Ansatz: Er demonstrierte, wie sein Instrument über den Laptop neue Klänge erzeugen kann und dabei mit den anderen akustischen Instrumenten verschmilzt. Percussionist Youssef Laktina wiederum zeigte an der Rahmentrommel und der Riq sein Können, animierte die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer zur Bodypercussion und ließ das Publikum kurzerhand zum Teil des Ensembles werden.
Neben der Musik zog auch die Moderation die Kinder in ihren Bann. Jochen Keller fand einen treffenden Vergleich, um das Konzept von Colourage zu erklären: „Unsere Musik ist wie Pommes und Falafel. Pommes Frites kommen aus Frankreich, Falafel aus dem arabischen Raum. Wir machen etwas Neuartiges daraus.“ Das Ensemble bewies eindrucksvoll, dass diese musikalische Fusion funktioniert – und begeisterte die Schülerinnen und Schüler mit spontanen Improvisationen, die wesentlicher Bestandteil der Stücke des Ensembles sind. Keller erklärte dabei das Prinzip: „Wenn man traurig ist, wird die Improvisation etwas melancholischer. Hat man viel zu sagen, dauert das Solo länger. Möchte man nicht so viel sagen, gibt man den Ball an jemand anderen aus der Gruppe weiter.“
Nach dem Konzert stellten die Kinder eifrig Fragen: „Wie lang ist euer längstes Stück?“ – „Ca. 15 Minuten“, erklärte das Ensemble. „Welches ist dein Lieblingsstück?“, wollte eine Schülerin von Flötistin Hanna Mangold wissen. Ihre Antwort: „Ich versuche immer, das Stück, das ich gerade spiele, als mein Lieblingsstück zu sehen.“
Eine Frage blieb besonders in Erinnerung: „Wer hatte die Idee zur Gründung von Colourage?“ Mangold erklärte, dass die Idee von André Uelner stammt. „Wir sind alle mit unterschiedlichen Klängen aufgewachsen, wir alle haben verschiedene Kinderlieder gesungen. Was wir wollen, ist eine neue, bunte Musik gemeinsam zu kreieren und verschiedene Kulturen zusammenzubringen.“ Dass ihnen das gelungen ist, war an diesem Vormittag im Feudenheim-Gymnasium nicht zu überhören – und nicht zu übersehen: Strahlende Kinderaugen und tosender Applaus am Ende des Konzerts sprachen für sich.